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Interviews

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Positive Plastics

Das Meer liegt voller Plastik. Das ist für Mensch und Umwelt alles andere als gut. Zwei Frauen versuchen auf individuelle und völlig unterschiedliche Art und Weise unser Bewusstsein für das von uns verursachte Leid zu verschärfen. Und sie bieten Alternativen an. Auf ausgesprochen positive Weise.

Thirza Schaap

Die Fotografin Thirza Schaap arbeitet für diverse Medien. Sie kreiert außerdem beeindruckende Stillleben von Abfall, der weltweit auf den Stränden zu finden ist.

Thirza: „Ich liebe das Strandleben. Auf meinen Wanderungen fiel mir irgendwann auf, dass die Menge von vergessenem Müll und angespültem Abfall immer größer wurde. Auch auf meinen Reisen nach Bali und Mexiko drängte sich der Abfall immer deutlicher ins Bild: Plastikberge an idyllischen Stränden oder verwehte Plastikstücke in einem wundervollen Reisfeld. Schrecklich und faszinierend zugleich. Das gilt nicht nur für die Menge. Es ist unglaublich wie schön Plastik aussehen kann, wenn es Wind, Meer und Sand ausgesetzt war. Die Farben verändern sich in kleine weiße Punkte. Oder es wachsen Muscheln dran.

Auf meinen Strandspaziergängen habe ich angefangen, den Müll einzusammeln und wegzuwerfen. Später habe ich meine Funde fotografiert, als eine Art „Vorher, nachher“. Aber egal wie ich an die Sache heranging – es sah immer sehr schmuddelig aus. Die Schönheit, die ich sah, habe ich nicht aufs Foto bekommen. Ich nahm den Abfall mit nach Hause. Dort habe ich dann auf dem Boden und auf Farbbögen Kompositionen davon gemacht. Schon auf der Kunstakademie haben mich Stillleben begeistert. In meiner Karriere als Fotograf habe ich mich dann auf Menschen konzentriert. Auch gut. Ich hatte allerdings vergessen, wie sehr Stillleben mich schon immer fasziniert haben. Da liegt mein Herz. Ich suche und schiebe bis das Bild stimmt. Das macht mich glücklich. Es ist fast meditativ. Ich kann mich für eine Weile ganz auf mich selbst konzentrieren.

Inzwischen arbeite ich auch an Skulpturen, die geklebt werden. Am Anfang habe ich die Skulpturen nach einer Ausstellung oder einem Fotoshooting wieder auseinander genommen.

Geklebte Skulpturen leben länger. Mit meiner Arbeit verbinde ich natürlich eine Botschaft. Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass es nun auf uns selbst ankommt. Es ist bequem, auf staatliche Regulierungen zu warten – wie bei den Plastiktüten. Aber die Zeit läuft uns davon. Menschen müssen sich selbst unter die Lupe nehmen und alles tun, um die Umwelt zu entlasten. Man kann sich im Supermarkt immer wieder die Frage stellen: Nehme ich vorverpackte Schlangengurken mit oder doch lieber den unverpackten Blumenkohl. Salopp ausgedrückt: Kleinvieh macht auch Mist.

Selbst führe ich ein ganz anderes Leben als noch vor zehn Jahren. Ich bin mir über meinen eigenen Impact als Mensch und Konsument im Klaren. Einkäufe erledige ich ein Mal in der Woche auf dem Markt. Dann nehme ich einen Korb mit. Auf diese Weise vermeide ich überflüssiges Verpackungsmaterial. Wenn ich etwas neu kaufen möchte, schlafe ich erstmal eine Nacht drüber. In 90 % der Fälle wird mir dann klar, dass ich es nicht brauche. Mein Ziel ist es, Bewusstsein darüber zu schaffen, dass der Abfall im Meer auch von Ihnen ist. Ich mache keine schockierenden Fotos von toten Tieren mit dem Magen voller Plastik. Das finden Menschen meistens viel zu konfrontierend. Ich versuche, den Betrachter durch Schönheit in Dingen zu verführen, die eigentlich sehr scheußlich sind. Ein Widerspruch in sich. Aber ich hoffe, dass es mir gelingt.“ Instagram: @thirzaschaap

Die Arbeiten von Thirza Schaap sind bei „Up to do good“ auf Schiphol Plaza ausgestellt und können dort gekauft werden. Die Ausstellung beginnt am 3. März für die Dauer von einem Jahr. www.plastic-ocean.net, Instagram: @thirzaschaap

 

Maartje Dros

Die Designerin Maartje Dros hat aus Flaschenwickeln, die im Meer trieben, Verschlüsse für Rumflaschen entwickelt. Ganz so einfach war es jedoch nicht Plastik zu recyceln. Algen waren die bessere Alternative.

„Ich bin auf Texel geboren. Schon in meiner Jugend spielte der Strand eine große Rolle in meinem Leben. Das ist für mich der Ort, an dem ich mich zurückziehen und meinen eigenen Gedanken nachhängen kann. Die Niederlande haben tolle Strände. Das ist wirklich ein Glücksfall. Es ist hier nie zu warm. Und die Strände sind wunderbar offen und breit. Darin steckt viel Potenzial. Auf einer Insel ist das Leben an jeder Ecke von Natur umgeben. Ich darf mich glücklich preisen, dass ich dort arbeiten darf.

Mein Partner Eric und ich haben beide an der Design Academy Eindhoven studiert. Im Studium habe ich gelernt, dass eigene Untersuchungen das meiste Wissen bringen. Man muss auch der eigenen Intuition folgen und sich selbst immer wieder die Frage beantworten, warum man etwas tut. Man lernt auch, Menschen aufzusuchen, die über Wissen verfügen, von dem man selbst wirklich keine Ahnung hat. Die Kombination aller dieser Aspekte führt schließlich zu neuen Einsichten.

Eric hat sich viel mit Robotik und 3D-Druck beschäftigt. Alles, was daraus entsteht, ist aus Plastik. Auf einer Studienreise nach Indien habe ich gesehen, was Recycling wirklich bedeutet: In den Slums sortieren ganze Familien einschließlich der Kinder Zuhause Plastikabfall. Er liegt überall, auf dem Dach, im Wohnzimmer. Der Gestank war unerträglich. Von den giftigen Dämpfen ganz zu schweigen. Nur drei bis vier Prozent vom gesamten Plastikaufkommen ist wirklich für die Wiederverwendung geeignet. Der Rest ist Abfall, den wir nicht loswerden. Und damit vergiften wir uns selbst. Ich habe mich gefragt: Muss alles in so großem Maßstab produziert werden? Geht das nicht lokaler und in kleineren Einheiten? Ist der ganze Plastikberg eigentlich wirklich nötig? Wie nutzen wir Plastik? Durch ein anderes Projekt haben wir die „Stichting Noordzeeboederij“ kennengelernt. Dort wird untersucht, wie das Meer auf andere Art und Weise genutzt werden kann. Beispielsweise in der Nahrungsmittelherstellung.

Alles, was nicht auf dem Land angebaut werden muss, kann etwas Besonderes bedeuten. Ganz sicher in Gegenden, in denen es keinen fruchtbaren Boden gibt. Die Leute von der Noordzeeboerderij fragten uns, ob Meeresalgen ein interessantes Material für uns sein könnte. Aus Meeresalgen kann Pflanzennahrung hergestellt werden. Dadurch wird Dünger überflüssig. Die Restfasern sind geeignet als Alternative für Plastik. Das Material hat zwar eine kürzere Lebensdauer. Aber schließlich muss ja nicht alles ewig halten. Am Ende kann man es in die Erde stecken und es wird wieder Nahrung. Ein kompletter Kreislauf. Ein weiterer Vorteil: Der letzte Reststrom ist Trinkwasser. Man kann beispielsweise darüber nachdenken, lokale, kleinere Produktionseinheiten in Wüstengebiete zu bringen. In Gebiete, in denen es an sauberen Trinkwasser mangelt. Die lokalen Fabriken würde dann die Umgebung nähren anstatt sie zu verschmutzen. Wenn man aus anderen Blickwinkeln heraus denkt, tauchen Lösungen auf, die man davor nicht für möglich gehalten hat. Plastik ist nichts Schlechtes. Es sollte jedoch nicht für alles verwendet werden. Darin sind wir übers Ziel hinausgeschossen. Wenn wir uns besinnen, das Material unserer Produkte hinterfragen und nach Alternativen suchen, kommen wir einen großen Schritt weiter.“

maartjedros.nl

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